Presse-Mitteilung | LAG FW

Armut ist kein individuelles Versagen: Pressemitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt in Niedersachsen e. V. (LAG FW) zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober

16.10.2025 | News, Pressemitteilung

Armut ist kein individuelles Versagen: Pressemitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt in Niedersachsen e. V. (LAG FW) zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober

Armut hat viele Gesichter – und sie ist in Niedersachsen längst kein Randphänomen mehr. Nach aktuellen Daten des Landesamts für Statistik Niedersachsen lebten 2024 rund 1,3 Millionen Menschen im Land in Armut oder waren davon bedroht. Das entspricht 16,6 Prozent der Bevölkerung – und damit fast 19 Prozent mehr als im Jahr 2006, als die Quote noch bei 14,0 Prozent lag. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die mit materiellen Entbehrungen, sozialer Ausgrenzung und existenzieller Unsicherheit leben.

Die tatsächliche Belastung dürfte sogar noch höher liegen: Laut Studien steigen die Lebenshaltungskosten – insbesondere für Wohnen und Energie – deutlich schneller als die Einkommen vieler Haushalte. „Wer einen großen Teil seines Einkommens für Miete und Nebenkosten aufwenden muss, hat immer weniger Spielraum für Bildung, Freizeit oder gesunde Ernährung. Bezieht man diese Wohnkosten der Menschen mit ein, steigt dieser Anteil der Armutsbedrohten in Niedersachsen sogar auf 21,8 Prozent“, sagt Kerstin Tack, Vorsitzende der LAG FW.

Kinder und Jugendliche trifft Armut besonders hart. Mehr als jedes fünfte Kind wächst in einem Haushalt auf, dessen Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Wer von klein auf mit knappen Mitteln lebt, hat schlechtere Chancen auf Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe – und trägt ein erhöhtes Risiko, auch im Erwachsenenalter arm zu bleiben. Damit wird Ungleichheit über Generationen hinweg verfestigt.

„Auch Frauen sind überdurchschnittlich betroffen, vor allem im Alter. Rund jede fünfte Frau über 65 gilt als arm“, so Tack. Besonders schwierig sei die Lage für alleinerziehende Mütter: Mehr als 40 Prozent von ihnen leben mit ihren Kindern in Armut. Fehlende Betreuungsangebote, Teilzeitfallen und steigende Lebenshaltungskosten verschärfen ihre Situation zusätzlich.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege nutzt den 1992 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut, um auf die verschiedenen Facetten von Armut aufmerksam zu machen: Menschen ohne Wohnung, Familien, die jeden Euro umdrehen müssen, Jugendliche, die auf Freizeit verzichten, oder Ältere, die sich soziale Teilhabe nicht mehr leisten können. Armut grenzt aus, sie beschämt, sie macht krank – und sie bedroht den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn dort, wo soziale Spaltung wächst, geraten Vertrauen, Zusammenhalt und Demokratie ins Wanken.

„Armut ist kein individuelles Versagen, sondern ein gesellschaftliches Problem“, betont Kerstin Tack, Vorsitzende der LAG Freie Wohlfahrt. „Wir können uns so viel Armut schlicht nicht mehr leisten – weder menschlich noch wirtschaftlich. Wenn immer mehr Menschen von Teilhabe ausgeschlossen sind, gefährdet das unseren Zusammenhalt und letztlich auch unseren Wohlstand. Wir brauchen eine neue Kultur sozialer Solidarität, die niemanden zurücklässt.“

 

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