Presse-Mitteilung | LAG FW

Armut und Kita-Betreuung: Beitragsfreiheit allein reicht nicht – LAG FW fordert anlässlich des Weltkindertages landesweiten Ausbau von Familienzentren

19.09.2025 | News, Pressemitteilung

Armut und Kita-Betreuung: Beitragsfreiheit allein reicht nicht – LAG FW fordert anlässlich des Weltkindertages landesweiten Ausbau von Familienzentren

Kinder aus einkommensarmen Familien nutzen in Deutschland noch immer seltener frühkindliche Bildungsangebote als Gleichaltrige aus nicht armutsbetroffenen Familien. Aktuelle Studien belegen: Sie besuchen deutlich seltener eine Kindertagesstätte und wenn, dann meist in geringerem zeitlichem Umfang. Diese Unterschiede tragen von Beginn an zur Verfestigung sozialer Ungleichheiten bei.

In Niedersachsen sind seit 2018 die Kita-Gebühren für Kinder zwischen drei und sechs Jahren abgeschafft. Dennoch zeigt sich auch hier, dass insbesondere armutsbetroffene Familien ihre Kinder seltener in die Kita schicken. „Das Problem sind nicht die Kosten, sondern fehlende Information, Orientierung und Begleitung. In vielen Familien gibt es schlicht keine Tradition, die Chancen frühkindlicher Bildung wahrzunehmen – und dieses Muster setzt sich über Generationen fort“, erklärt Kerstin Tack, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen (LAG FW).

Um diese Barrieren abzubauen, spricht sich die LAG FW anlässlich des diesjährigen Weltkindertages entschieden für einen konsequenten Ausbau von Familienzentren aus. Diese Einrichtungen bieten niedrigschwellige Beratung, Information und Unterstützung – sei es bei Anträgen auf Sozial- und Bildungsleistungen, bei Elternbildungsangeboten oder durch gezielte Vermittlung in die Kita. „Familienzentren schaffen Zugänge, bauen Vertrauen auf und erreichen gerade die Familien, die bisher kaum Kontakt zum Kita-System hatten“, so Tack.

Während einige Bundesländer bereits verbindliche Standards für Ausstattung und Finanzierung von Familienzentren eingeführt haben, fehlt es in Niedersachsen bislang an klaren landesweiten Rahmenbedingungen. „Das Risiko einer Flickenteppich-Struktur ist hoch. Ohne einheitliche Vorgaben und gesicherte Finanzierung werden Familien je nach Wohnort sehr ungleich versorgt“, warnt die LAG FW.

Die Landesarbeitsgemeinschaft ruft daher die niedersächsische Landesregierung auf, Familienzentren flächendeckend einzurichten und ihre Finanzierung dauerhaft abzusichern. Nur so könne wirksam verhindert werden, dass soziale Ungleichheit schon im frühen Kindesalter verfestigt wird. „Es braucht endlich eine klare politische Entscheidung: Familienzentren müssen ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Bildungs- und Soziallandschaft werden“, betont Tack.

Download (PDF)