Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e. V.
Vergangenheit und Zukunft
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts reichen die Wurzeln der heutigen Wohlfahrtsverbände: Damals schlossen sich Menschen aus Kirchen und humanistischen Bewegungen, der Bürgerschaft oder dem Arbeitermilieu zusammen, um notleidenden Mitmenschen zu helfen. Hospitäler, Suppenküchen, Nähstuben oder Stadtranderholung für Kinder entstanden.
So unterschiedlich die Ursprünge auch sind: Allen Wohlfahrtsverbänden gemeinsam ist das Ziel, sozial Benachteiligten zu helfen und einen Beitrag für eine menschenfreundliche und gerechte Gesellschaft zu leisten. Ihr Anliegen, soziale Sicherheit als Grundvoraussetzung für demokratische Teilhabe zu erstreiten, führte zu der im Grundgesetz verankerten Verknüpfung von Demokratie und Sozialstaat.
In der niedersächsischen Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege haben die sechs Spitzenverbände zusammengeschlossen: Die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, die Jüdische Wohlfahrt und der Paritätische. Zu ihren Angeboten gehören Krankenhäuser und Altenheime, Kindergärten oder Einrichtungen für Behinderte. Beratungsstellen bieten unter anderem Hilfe für Frauen und Familien, Arbeitslose und Migranten, Suchtkranke, Straffällige oder Menschen ohne Wohnung. Hinzu kommen Tausende von Selbsthilfegruppen und Besuchsdiensten.
Hilfe, Selbsthilfe, Anwaltschaft
Die Wohlfahrtsverbände verstehen sich als Anwalt und Sprachrohr benachteiligter Menschen gegenüber Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.
Ihre besondere Stärke liegt in der Mischung von professioneller Kompetenz der hauptberuflichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und dem unentgeltlichen Einsatz von hunderttausenden Freiwilliger: Allein in Niedersachsen engagieren sich mehr als 300 000 Menschen in ihrer Freizeit für die Arbeit der frei gemeinnützigen Wohlfahrtspflege.
Schlüsselwerte ihrer Arbeit sind Menschenwürde, Solidarität und Selbstverantwortung. Hilfe soll auch Hilfe zur Selbsthilfe sein, zu einem Leben in Eigenverantwortung.
Verantwortung
Die Wohlfahrtsverbände sind zusammen einer der größten Arbeitgeber in Niedersachsen: In gut 6 000 Einrichtungen bieten sie rund 230 000 Menschen einen Arbeitsplatz. Außerdem finden mehr als 20 000 behinderte Menschen in Werkstätten für Behinderte eine Beschäftigung.
Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege sind größter privater Investor im Sozialbereich. So sind rund 40 % der mehr als 200 niedersächsischen Krankenhäuser in frei-gemeinnütziger Trägerschaft.
Durch Beiträge von Fördermitgliedern, Spenden und Sponsoren entlastet die frei gemeinnützige Wohlfahrtspflege die öffentlichen Haushalte von Ausgaben für soziale Zwecke. Staat und Wirtschaft profitieren außerdem vom sozialen Frieden, für den sich die Wohlfahrtsverbände einsetzen.
Die Kaufkraft, Steuern und Abgaben der Verbände und ihrer Beschäftigten bedeuten einen enormen Beitrag zur Wirtschaftskraft des Landes. Tendenz steigend: Bedingt durch die demographische Entwicklung wächst der Bedarf an sozialen Dienstleistungen ständig.
Engagement und Präsenz
Das breite Spektrum der Wohlfahrtsverbände ermöglicht es Menschen, gesellschaftliche, soziale und politische Verantwortung zu übernehmen. Mehr als 500 000 Freiwillige und Ehrenamtliche arbeiten in den Verbänden der Landesarbeitsgemeinschaft in sozialen Projekten mit. Sie füllen dadurch Werte wie Solidarität oder Nächstenliebe mit Leben. Oft nehmen sie Aufgaben wahr, die über den Markt nicht zu finanzieren wären.
Dieses freiwillige bürgerschaftliche Engagement wird umso wichtiger, als die zunehmende Globalisierung, die Flexibilisierung und Technologisierung der Arbeitswelt und die Alterung unserer Gesellschaft bei vielen Menschen Ängste und Unsicherheit auslösen.
Gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen ist die Präsenz der Wohlfahrtsverbände auch in kleinsten Gemeinden ein Garant für die soziale Versorgung aller Menschen. Die Erfahrung, einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten zu können, motiviert und ermutigt die Helfer. Dadurch ist die Arbeit der Wohlfahrtsverbände ein wichtiger Faktor für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
Gemeinsam handeln
Durch ihre Arbeit vor Ort erfahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Freiwilligen der Wohlfahrtsverbände aus erster Hand von den Interessen, Nöten und Sorgen der Menschen. Sie erkennen neuen Handlungsbedarf, aber auch Mängel und Vorzüge von Gesetzen. Diese Sachkenntnis macht die Wohlfahrtsverbände zum zentralen Gesprächspartner für Parlament, Regierung, Verbände und Organisationen.
Die frei gemeinnützige Wohlfahrtspflege nimmt somit eine Vermittlerrolle zwischen den Bedürftigen und der Politik, zwischen Staat und Bürgern ein.
Die Grundlage ihres Handelns ist das Subsidiaritätsprinzip. Das heißt, dass die Träger der öffentlichen Jugend- und Sozialhilfe mit der freien Wohlfahrtspflege partnerschaftlich zusammenarbeiten und sie unterstützen. Wird Hilfe durch die freie Wohlfahrtspflege gewährleistet, sollen die öffentlichen Träger eigene Maßnahmen unterlassen.
Partnerin der Politik: die LAG
Soziale Leistungen sind keine Almosen. Sie ermöglichen ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben in der Gemeinschaft. Von der gesellschaftlichen Teilhabe möglichst vieler Menschen lebt unsere Demokratie.
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG) gestaltet die Sozialpolitik in Niedersachsen mit. Sie ist Anwältin von Bedürftigen und Ausgegrenzten, Anbieterin sozialer Dienstleistungen und Gesprächspartnerin der Politik.
Die frei gemeinnützige Wohlfahrtspflege ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Sozialstaats.
Hannover, 08.01.2010
Georg Gabriel
Geschäftsführer






